Parkinsongruppe
Potsdam
Telefon Tel.: 033200/5 52 34
e-Mail kirsten.vesper-dpv@gmx.de

11.04.2012

Das Leben in der Langsamkeit

Am heutigen Welt-Parkinson-Tag wünschen sich Betroffene eins: mehr Geduld von Seiten der Gesunden

Kirsten Vesper, die neue Vorsitzende der Potsdamer Selbsthilfegruppe für Parkinson-Kranke, erzählt im Gespräch mit Ildiko Röd über den Kampf gegen Klischees.

MAZ:Als neue Vorsitzende der Regionalgruppe Potsdam der Deutschen Parkinsonvereinigung treten Sie die Nachfolge von Otto Meyer an. Was war der Grund für den Wechsel?

Kirsten Vesper:Otto Meyer hat die Geschicke der Gruppe, die 1992 von seinem Namensvetter Horst Meyer gegründet wurde, 19 Jahre lang wunderbar gelenkt. Er hat sich unglaublich für unsere Gruppe mit 75 Mitgliedern – 49 Betroffene, zwölf Angehörige, 14 Fördermitglieder – engagiert. Weil es ihm aber gesundheitlich mittlerweile sehr schlecht geht, wurde ich vor einigen Wochen kurzerhand als Vorsitzende ins kalte Wasser geworfen.

Welche Aktivitäten bietet die Gruppe an?

Vesper:Wir machen Ausflüge. Oft kommen auch Experten zu Vorträgen, etwa Zahnärzte, die erläutern, wie man das Zähneputzen trotz Parkinson bewältigen kann – eine echte Herausforderung.

Was waren die ersten Anzeichen Ihrer Krankheit?

Vesper:Vor drei Jahren habe ich gemerkt, dass ich langsam werde, mich steif bewege und die Feinmotorik nicht mehr richtig funktioniert.

Sie sind erst 57 Jahre alt. Wie haben Sie sich die Symptome erklärt?

Vesper:Ich dachte zuerst, dass ich es einfach nur mit dem Rücken habe. Bis mich dann meine Schwester zum Orthopäden schickte. Die Familie hatte schon Parkinson vermutet, weil meine Hände oft zitterten. In der Fachsprache nennt man das „Ruhetremor“. Mir selbst war das Zittern gar nicht aufgefallen.

Wie wirkt sich die Krankheit im Alltag aus?

Vesper:Die Ursache von Parkinson ist ja, dass der Botenstoff Dopamin fehlt, der Reize durch den Körper transportiert. Der Kopf gibt einen Befehl, aber der Körper kann nicht reagieren. Manche Betroffene schaffen es nicht, in den Bus zu steigen oder eine Straße zu überqueren, weil die Beine nicht mitmachen. Oder aber das Sprechen verlangsamt sich. Meine Symptome sind noch nicht so extrem. Dennoch merke ich, dass das Schreiben mit der Hand jetzt eher ein bedächtiges Malen geworden ist. Auch Tanzen ist schwierig.

Können Medikamente den Verlauf der Krankheit effektiv hinauszögern?

Vesper:Wenn man Dopamin zuführt, verbessert sich die Beweglichkeit. Der Nachteil: Irgendwann hat sich der Körper an das Dopamin gewöhnt und will immer mehr. Mit gezielter Bewegung – Yoga, Tanzen, bestimmten Trainingsübungen – kann man auch gewisse Erfolge erzielen, wie sich in den letzten Jahren herausgestellt hat.

Sie arbeiten bei der GKV Informatik in Teltow. Behindert Sie die Krankheit im Job?

Vesper:Ich arbeite in der Programmierung und kann die Arbeit noch gut bewältigen.

Hadern Sie mit Ihrem Schicksal und fragen: „Warum ich?“

Vesper:Nein. Ich bin ein positiv denkender Mensch. Die Auslöser für die Krankheit sind nach wie vor ein Rätsel. Warum sollte ich mir darüber den Kopf zermartern?

Anders als es das Klischee will, ist Parkinson ja keine Alterserkrankung. In Berlin gibt es eine eigene Unter-40-Parkinsongruppe. Wie sieht es in Potsdam aus?

Vesper:Bei uns gibt es kein solches Angebot. Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder liegt bei 65 Jahren. Aber natürlich gibt es auch weitaus jüngere Betroffene. Allerdings sind ihre Symptome meist – zum Glück – noch nicht so ausgeprägt. Darum sind sie oft noch nicht bereit, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.

Welchen Wunsch würden Sie anlässlich des heutigen Welt-Parkinson-Tages formulieren?

Vesper:Es wäre schön, wenn die Nicht-Betroffenen mehr über diese Krankheit wüssten. Das Unverständnis ist oft groß. Wenn ein Betroffener zum Beispiel umständlich an der Kasse das Geld rauskramt und so den Ablauf ein wenig aufhält, kommen postwendend erboste Kommentare wie „Na, so viel Zeit möchte ich auch mal haben.“ Aber alles, was stresst, macht die Betroffenen noch langsamer. Oft ist es ein Teufelskreis.

Informationen über die Regionalgruppe unter www.parkinson-potsdam.de. Am 23. April lädt die Gruppe von 14.30 bis 17 Uhr zum 20-jährigen Jubiläum ins Haus der Begegnung , Zum Teufelssee 30.